Wir kennen ihn als den kompetent-ironischen Moderator des ard-Kulturmagazins “titel thesen temperamente”: den Schweizer Dieter Moor, der sein Glück in Brandenburg gesucht und gefunden hat. Moor, geboren 1958 in Zürich, lebt seit 2003 am Rand von Berlin, genauer gesagt in Hirschfelde / Brandenburg. Dort betreibt er mit seiner Frau, die Österreicherin Sonja, einen Bio-Bauernhof. Unter anderem züchten die beiden Gallowayrinder und Wasserbüffel. Moor beschreibt seine Ankunft in dem kleinen Dorf (ca. 300 Einwohner) in dem fantastischen Buch “Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht”. Moor kämpft dabei zuweilen gegen “den kleinen Schweizer” in sich, der die eine oder andere Integrationshürde in “Dunkeldeutschland” zu nehmen hat. So prallen schweizerische Pünktlichkeit auf eine brandenburgische Verabredung “zu Mittach”. Warum das Ehepaar Moor ausgerechnet dahin will, wo alle anderen wegziehen erzählt er in humoriger, vor allem aber selbstironischer und liebevoller Weise. In wunderbaren Sätzen gibt er uns einen Einblick in das Leben auf dem Land.
“Wir setzten das Transportkistchen mit den Laufenten ab, öffneten den Deckel und zogen uns zurück. Vorsichtig reckten die Tiere ihre Hälse über die Kistenwand – wie zwei gefiederte Periskope, die aus einem hölzernen U-Boot ausgefahren werden. Sie scannten die Umgebung in alle Richtungen. Plötzlich explodierte das U-Boot und spie eine Ladung Gefieder aus seinem Inneren senkrecht nach oben. Wildes Geflatter, unsanfte Landung, dann machten die Laufenten ihrem Namen alle Ehre: In irrwitzigem Tempo rasten sie Richtung Teich, sprangen vom Ufer ab, schnellten, vom eigenen Schwung getragen, über die Wasseroberfläche, schlugen wild mit den Flügeln, sich selbst in einen kleinen Tornado aus Gischt hüllend, tauchten, schwammen. Ich weiß nicht, wieviel Glück in so eine Ente reinpasst, aber die hier liefen Gefahr, vor Glück zu platzen! So viel zum Thema ‘Laufenten mögen kein Wasser’! Der Mensch ist ein unverbesserlich ignorantes Tier. Es redet sich erfolgreich ein, dass die Mitwesen dieser Erde es eh genauso wollen, wie es ihm, dem Menschen, am bequemsten ist..“
Moor muss man einfach mögen – ein Glück, dass der rbb Anfang September die neue Staffel von “Bauer sucht Kultur” austrahlt: auf der Reise durch seine Wahlheimat Brandenburg entdeckt Moor viel Zeigenswertes, trifft eine Menge interessanter Personen und gibt Ausflugstipps der anderen Art. Für Großstädter wie uns mehr als empfehlenswert…
In zunächst vier neuen Folgen, die ab dem 8. September um 21:00 Uhr im rbb ausgestrahlt werden, besucht Dieter Moor unter anderem den Schauspieler Michael Gwisdek in Schorfheide, die Tanz-Kommune “Ponderosa” auf einem alten LPG-Gelände in Stolzenhagen, die Fotografin Angela Fensch in der Uckermark und Regisseur Dani Levy im Havelland. Dieter Moor ist angekommen in Brandenburg, er fühlt sich wohl – und er tut gut: “Ich finde Brandenburg ist das unterschätzteste Bundesland Deutschlands … Ich bin ja dahin gekommen, naiv von außen, wie ein Alien, der auf einem fremden Planet landet und hab festgestellt, dass all diese Klischees, die ich natürlich vorher schon gehört hab (und wir wurden ja gewarnt gerade nach Brandenburg zu ziehen), dass die alle in einer skandalösen Weise nicht stimmen, dass ich richtig zornig wurde und gesagt habe ‘Was ist los?!’” Moor setzt sich ein. Für die Natur, die ökologische Landwirtschaft und die artgerechte Tierhaltung, aber auch für die Menschen – allgemein und speziell in seiner Nachbarschaft. Moor versucht die Klischees abzubauen und das gefällt uns hier natürlich ganz besonders. “Man kann ja nicht selber sagen ‘Brandenburg ist toll!’ wenn man Brandenburger ist, aber man kann sich freuen, wenn’s jemand von außen kommend so sieht” fasst es Moor sehr passend zusammen. We love Moor! Und wir freuen uns schon auf weitere Geschichten aus Hirschfelde. Moor hat uns gezeigt, dass Brandenburg mehr ist, als Rainald Grebe (wenn auch sensationell ironisch) in seinem “YouTube-Renner” (Zitat Moor) besing. Danke Dieter!
“Brandenburg sollte selbstbewusster werden, vielleicht sollten sich Brandenburger ein bißchen was abschauen von dieser, manchmal ja unbegründeten, Selbstsicherheit der Bayern, dieses ‘Mia san Mia’, also mehr dazu stehen, was man ist, also erkennen, dass es gut ist, wie’s ist und erkennen, welche Fähigkeiten hier schlummern, welches Potential da schlummert… Es gibt gute Gründe selbstbewusst zu sein.” (Im Interview mit der Lausitzer Rundschau.)
“Bauer sucht Kultur” – am 8.09.2010 21:00h im RBB – und schon jetzt bei radio1 in “Moors Landleben”.
Was wir nicht haben brauchen Sie nicht – Buchtrailer auf Youtube










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