Berlin ohne Fernsehturm
Neulich war ich zu Besuch bei einem Freund, der leidenschaftlicher Kartensammler ist. Es lag gerade ein alter Stadtplan vom geteilten Berlin offen. Neugierig studierte ich den Plan, verfolgte den Verlauf der Mauer, überlegte welche Straßennamen sich geändert haben und hatte merkwürdige Schwierigkeiten, mich im Ostteil der Stadt zu orientieren. Es dauerte eine Weile, bis ich das problem erkannte: Der Fernsehturm am Alexanderplatz, Wahrzeichen und Schmuckstück Berlins, fehlte.
Als ich noch außerhalb Berlins wohnte, war mir der Fernsehturm ein wichtiger Wegweiser durch die Stadt. Wenn ich nachts mit dem Fahrrad aus irgendeiner Neuköllner Kiez-Kneipe kam und zur S-Bahn nach Hause wollte, fuhr ich geradewegs auf den Fernsehturm zu. Aber auch heute hilft mir der Fernsehturm am Alexanderplatz oft, mich in den Straßens Berlins zu orientieren. Übrigens glauben viele Besucher der Stadt, dass der Fernsehturm “Alex” heiße. Alle reden ja immer von der “Weltzeituhr am Alex”, “Einkaufszentrum am Alex”, “Kino am Alex”. Dass damit der Alexanderplatz und nicht der Fernsehturm gemeint ist, scheint vielen egal zu sein.
Geschichte des Fernsehturmes
Am 3. Mai 1965 begann der 4-jährige Bau des Fernsehturmes. Der Bau des damals 365 m hohen Turmes, dem bis heute höchsten Gebäude Deutschlands, ist das Ergebnis zwei untersschiedlicher Projekte der DDR-Regierung. Nach der Sprenung des Stadtschlosses sollte in der Stadt ein neues architektonisches Wahrzeichen gesetzt werden. Zusätzlich war ein Sendeturm für den DDR-Rundfunk in den Müggelbergen geplant. Da der Turm am Rande der Stadt direkt in der Einflugschneise des Flughafens Schönefeld gestanden hätte, wurde der Turm ins Stadtzentrum verlegt. Da sich der Schlossplatz aufgrund seines morastigen Untergrundes als nicht geeignet für ein solches Bauwerk eignete, wichen die Stadtplaner auf den Alexanderplatz aus. Am 3. Oktober 1969 wurde der Turm feierlich eröffnet.
Der Turm ist ein Konglumerat vieler Ideen und Ideologien. Die Pfeil-Form mit Kugel stammt von dem Architekten Hermann Henselmann, wobei die Kugel an den berühmten Sputnik-Satelliten erinnern soll. Das Planungsbüro des VEB Industrieprojektierung um Fritz Dieter und Günter Franke überarbeiteten Henselmanns Pläne und der Präsident der Bauakademie, Gerhard Kosel hinterließ auch seine Spuren, als er die Kuppel Gold färben wollte.
Zu DDR-Zeiten war der Andrang auf die begehrten Plätze im Panorama-Restaurant groß. Um möglichst vielen Bürgern ein Essen über den Dächern der Stadt zu ermöglichen, wurde die Aufenthaltszeit pro Gast auf eine Stunde reglementiert. Fast täglich standen die Schlangen hunderte von Metern quer über den Alexanderpatz.
Heutzutage kann jeder für 10 € (ermäßigt 5.50 €) bis Mitternacht den Turm besichtigen und die unvergleichliche Aussicht auf Berlin aus 200 Metern Höhe genießen und im Restaurant essen. Spannend sind auch Sonderveranstaltungen im Advent und zu Silvester, oder die große Zeitreise anlässlich des 40. Geburtstages.
40. Geburtstag
Anlässlich des 40. Geburtstages des Fernsehturms planen die Betreiber mit den Besuchern am 3. Oktober eine Zeitreise. Die Eintrittskarten werden aussehen wie vor 40 Jahren, das Essen wird sein wie vor 40 Jahren und der Service wird sein wie zu Ost-Zeiten: Die Gäste werden an den Tischen platziert und haben genau eine Stunde Zeit. Danach werde sie gebeten, den Platz für die nächsten frei zu geben. Zusätzlich verspricht das Fernsehturm-Team verschiedene Geburtstagsüberraschungen.
Ausgehtipp in Frankfurt:
Das Deutsche Archtekturmuseum in Frankfurt zeigt vom 3. Oktober 2009 bis zum 14. März 2010 die Ausstellung “Fernsehtürme – 8559 Meter Politik und Architektur”. Es werden 25 gebaute und geplante Fernsehtürme auf der ganzen Welt vorgestellt.
Info: TV-turm.de










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