Zwischen den neu-sanierten Gebäuden in der Oranienburger Straße in Berlin Mitte, fällt das abrissgefährdete Gebäude sofort ins Auge. Es passt nicht in das schicke Touristenviertel des neuen Berlins mit noblen Restaurants und sauberen Bürgerhäusern. Wenn man in den Hof oder in das Treppenhaus tritt, entdeckt man ein bunt-zusammengewürfeltes Sammelsurium von Kunst. Überall sind bunte Graffitis an den Wänden und der Müll stapelt sich. Man betritt ein eine andere Welt. Niemand stört sich hier an der Unordnung, dem Geruch, dem Chaos.
Es ist eine einzigartige Atmosphäre, denn es ist ein Zentrum für Berliner Künstler und Kunstinteressierte. In den oberen Räumen des Tacheles stellen Künstler ihre Arbeiten aus, sie malen, kommen mit den Besuchern ins Gespräch und bieten ihre Kunstwerke zum Verkauf an. Hier gibt es Aktfotografie, Ölgemälde, Kollagen, Prints, Plakate, Portäts oder auch Texte in Kombination mit darstellender Kunst. Wenn der Besucher von den Ausstellungen zu viel Input hat, dann geht er in die oberste Etage, genießt den Ausblick, setzt sich auf Couchs und trinkt etwas Kühles.
Oder er besucht das Cafe-Zapata und kommt mit den Leuten in Kontakt, die die Besetzung 1990 noch live miterlebten. Hier kann man im Freien Kunst bestaunen: derzeit gibt es eine verrückte Zusammenstellung aus Metallskulpturen. Teils sind es riesige, nachgebildete Tiere aus großen miteinander verschweißten Metallteilen und teils feingliedrige, kunstvolle Skulpturen.
Jährlich besuchen etwa 400.000 Interessierte das Künstlerhaus, obwohl seit Jahren heftig gestritten wird, ob man das Haus sprengen, schließen oder zwangsräumen soll. Seit 1990 steht das Tacheles unter Denkmalschutz und darf nicht abgerissen werden. Trotzdem gibt es immer wieder finanzielle Engpässe oder interne Uneinigkeiten, denn Künstler sind bekanntlich schwierige Zeitgenossen: impulsiv, exzentrisch und sensibel.
Interessant ist die Geschichte des ungewöhnlichen Gebäudes, denn das kollektive Kunst- und Veranstaltungszentrum ist ein altes, abgebranntes Luxuskaufhaus, das in der DDR besetzt wurde und so in die Hände der Künstler kam. Später fanden Kino- und Theaterveranstaltungen statt.
Wer Interesse an zeitgenössischer Kunst hat, an interessanten Begegnungen, an einem Künstlerhaus mit kulturgeschichtlicher Vergangenheit- der sollte dem Tacheles einen Besuch abstatten. Hier findet ein internationaler Kulturaustausch statt, derzeit verstärkt zwischen Minsk und Berlin. Die Liste der Künstler ist lang und reicht von Japan, nach Amerika, den Iran und Chile. Derzeit sind folgende Künstler im Tacheles: Robert Förster, Astrid Hanka, Bruno Di Martino, nurSchrec!, Martin Reiter, Alexandr Rodin, Andrea Colitti uvm.
Kunsthaus Tacheles
Oranienburgerstraße 54-56a
10117 Berlin










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