Festivalfeeling rockt! Freitagnachmittag nach der “Schicht“ hetzt man direkt los. Dann steht man stundenlang im Stau oder wartet auf übervolle Bus-Shuttles, nur um am Ende auf einem restlos überfüllten Campinggelände gefühlte 10 Kilometer von der Hauptbühne entfernt zwischen leeren Bierdosen und Kuhfladen sein löchriges Zelt aufzuschlagen. Natürlich kommt man zu spät zur Lieblingsband, die auf Freitag, 19:00 Uhr vorverlegt wurde. Im Laufe des weiteren Abends beginnt es normalerweise zu regnen. Oder die Dixies versinken im Schlamm obwohl es gar nicht geregnet hat! Am nächsten Tag stellt sich heraus, dass die Zeltnachbarn Satanisten sind, die nur aus Versehen beim Festival gelandet sind oder Teenager, die alles was laut und eklig ist, total lustig finden. Am Sonntag befindet man sich aufgrund des massiven Schlafentzugs außerhalb des eigenen Körpers und kann mit genügend Abstand kichernd verfolgen, was der stickende Typ, der genauso aussieht wie man selbst, den ganzen Tag treibt. Am Abend nach der letzten Band geht´s mit ordentlich Restalkohol nach Hause. Wer am folgenden Montag nicht frei hat, wird einen der anstrengendsten Arbeitstage des Jahres erleben.
Trotz all der gewöhnungsbedürftigen Umstände, oder vielleicht auch gerade wegen dieser, sind Festivals großartig. Das liegt natürlich auch an der fantastischen Möglichkeit, sich mehrere Lieblingsbands an einem Wochenende ansehen zu können und dabei so zu tun als gäb´s kein morgen. Weil immer mehr Leute das genauso empfinden, gibt es jedes Jahr mehr Festivals. Natürlich auch in Berlin. Ich habe mal ein paar für schöne in diesem Sommer rausgesucht rausgesucht.
Abgesehen von den verpassten Gelegenheiten, von denen es schon einige gab, hier also die Festival-Empfehlungen für Berlin:
Los geht´s am 16. Und 17.7 auf der Biesdorfer Parkbühne mit Rock im Grünen. Hier kann man als Festivalbesucher nicht viel falsch machen, denn die Veranstaltung ist kostenlos, weil die Bands noch Newcomer sind. Dementsprechend sollte man wild die Party-Pauke schlagen und sich von seiner besten Seite zeigen. Damit die Scouts der Plattenfirmen was zu staunen haben und aus den Nachwuchsjungs und –mädels auch mal richtige Bands werden. Am Freitag gibt´s Bands, die unter der Überschrift Urban Sounds zusammengewürfelt wurden, was stark nach Hiphop, Electronica, etc. klingt. Der Samstag ist für die Gitarrenfraktion vorgesehen.
Abseits des Mainstreams geht es am 23. Und 24.7 weiter, beim 4. ORWOhaus Festival, in der Frank-Zappa-Straße in Marzahn. Hier heißt es: Festival ja, open air eher nein. Macht aber nichts, denn das Line up ist der absolute Kracher. Wer auf abgedrehte und gute Musik steht, muss da hin. Die Bandbreite reicht vom Cello-Elektroniker bis zum Sinfonie-Rockester. Es ist einfach zum Haarewachsenlassen schön, was dort aufgefahren wird. Und am Ende, wenn es fast nicht mehr besser geht, stehen die absolut umwerfenden, grandiosen Guns of Brixton auf der Bühne, die laut website direkt vom Fusion-Set 2009 wegengagiert wurden. Ich war auch dort und ich kann die ORWOnauten dazu nur beglückwünschen. So genug geschleimt. Hoffentlich komm ich jetzt umsonst rein. Andererseits sind 22 bzw. ermäßigte 15 Euro auch nicht zu viel für zwei Tage Musikbrett vom allerfeinsten.
Für Menschen, die es weniger gewaltig eine Spur gediegener mögen findet am 24. Juli das Down-by-the-River-Festival an der Bar 25 statt. Für schlappe 15 Euro kriegt man hier einen langen Abend lang Folk, Hamburger Schule, Indie und weitere Nerd-Musik geboten. Klingt gemütlich und ist es mit Sicherheit auch.
Eine Woche später, am 31. Juli sind die Freunde der elektronischen Freizeitgestaltung dran. Zum ersten Mal gibt es das Dream-Festival bzw. die Sternennacht. Egal wie das Ding jetzt heißt, anwesend, auflegend und Headline-besetzend sind auf jeden Fall David Guetta und Tiesto sowie diverse weitere DJs auf 2 Floors. Dazu gibt es die inzwischen notorischen Visuals, die hier angeblich wahre Wunder vollbringen können. Wer sich selbst davon überzeugen möchte muss am genannten Abend die Hangars des Tempelhofer Flughafens ansteuern und immerhin 60 Euro investieren. Könnte sich aber tatsächlich lohnen, wenn man solche Veranstaltungen mag.
Weiter geht’s mit Hiphop, beim Graffitibox-Summer-Jam am 7. August auf dem wunderschönen Gelände des Yaam am Ostbahnhof. Hier wird den ganzen Tag lang gerappt, gesprayt, gebreakt und gebattlet. Auf 2 Bühnen gibt es schon ab 14:00 coole Live-Acts, u.a. mit den Spezializtz und Olli Banjo. Kucken, staunen, mitmachen sind da eins und Musik dröhnt sowieso aus allen Speakern. Am Abend dann die große Aftershow-Party auf 2 Floors mit Reggae, Hiphop und Electro. Da sollte dann für jeden was dabei sein. All das gibt´s übrigens bis zum 20. Juli noch für 10 Euro im Vorverkauf.
Ein ganz besonderes Festival findet über den Juli und August verteilt im Haus der Kulturen der Welt, in der John-Foster-Dulles-Allee 10 statt. Unter den thematischen Begriffen Donau, Amazonas, Nil und Wüste gibt es bei der Wassermusik 2010 jede Menge Konzerte, Lesungen, Filme, Theater und vieles mehr. Los geht es am 22. Juli mit der Rubrik Donau und Balkanfolk von den Gypsy Queens und Mahala Rai Banda sowie dem grandiosen Kusturica-Streifen Schwarze Katze , weißer Kater. Und so geht es weiter. Eric Sumo, Fitzcarraldo, Culcha Candela und jede Menge mehr. Für Freunde sogenannter Weltmusik viele Pflichttermine!
Wenn der Sommer schon fast vorbei ist, steht noch das ganz große Berlin-Festival auf dem Plan. Zu irgendetwas muss der alte Tempelhofer Flughafen doch nütze sein. Deshalb wird dort am 10. und 11. September gerockt, gedropt, gescracht, getanzt, gesungen, gegröltund noch viel mehr. Beim Berlin Festival kriegt man all das, was am Anfang des Textes versprochen wurde. Aber Achtung! Auch wenn das Festival gleich bei Euch um die Ecke stattfindet, gilt es sich trotzdem so zu verhalten, als wäre man irgendwo in der Pampa, oder auf dem Acker. Das heißt: möglichst wenig und erst recht nicht zu Hause schlafen, ausschließlich überteuertes Fast Food und Bier konsumieren, Körperhygiene vernachlässigen, nur im Freien pinkeln etc. Macht man es sich nämlich zu bequem wird sich das unvergessliche Festivalfeeling trotz hervorragender Bands oder DJs nicht einstellen.










2 Antworten
Ick will ja nich meckern, da ich mich sehr über den Abschnitt über’s ORWOhaus-festival gefreut habe. Allerdings befinet sich die Frank-Zappa-Straße mitsamt ORWOhaus nicht im F-hain sondern in Marzahn…;)
gruß
Simon ausm ORWO
Thx for the Verbesserungsvorschlag. So ist das als Neuberliner …
Bis zum Wochenende, Markus