Es scheint sich ein neuer Trend zu entwickeln in der Berliner Kneipenszene. Immer öfter findet man Bars, die neue Gäste mit einer Tischtennisplatte gewinnen möchten. So lange es räumlich irgendwie möglich ist, wird die Platte aufgestellt, manchmal in reduzierter Größe, aber mit gleichhohem Spaßfaktor. Es scheint, als würde es heutzutage kaum noch reichen, Bier und ggf. Cocktails zu günstigen Preisen in gemütlicher Atmosphäre anzubieten. Gäste wollen unterhalten werden, Bierchen kann man auch zu Hause trinken… Das vermehrte Aufkommen von Kneipenquizes oder Karaokepartys, Brettspielabenden oder dem weitverbreiteten ‘Public -Tatort- Viewing’ legt die Vermutung nahe, dass sich Kneipen mehr und mehr zu Allround-Entertainment-Centern entwickeln, etwa vergleichbar mit Jugendclubs, in denen neben Kicker und Billard selbstverständlich auch Ping-Pong gespielt wird. Da sind Tischtennisplatten in den Bars natürlich nur konsequent.
Das Tischtennis spielen in der Kneipe eröffnet völlig neue Möglichkeiten. Während sich am Billard- oder Kickertisch meist halbprofessionelle und meist maximal vier Spieler gleichzeitig betätigen, kann beim “tischten” jeder mitmachen. Es wurden schon Gruppen von über 20 Leuten gesichtet, die sich zu nächtlicher Stunde um die Platte drängten. Das nennt man dann “chinesisch spielen” und Talent braucht dafür niemand:
Woher kommt jedoch die Begeisterung für öffentliche Sport-, Spiel- und Spaßlokale? Liegt es möglicherweise daran, dass die ‘jungen Leute’ einfach nicht mehr erwachsen werden wollen?! Vielleicht ist es auch nur schlicht kein Tabu mehr, sich öffentlich zu seiner verspielten Seite zu bekennen. Haben wir uns am Abend in der Kneipe eventuell nichts mehr zu erzählen, sodass sich auf andere Art unterhalten wird? Schließlich erfahren wir den lieben langen Tag jegliche Neuigkeit über Facebook, Twitter und Co, was soll’s da noch zu besprechen geben. Dass auch der Flirtfaktor von Bars in Konkurrenz zu Onlinedatingportalen gesunken sein mag, wollen wir uns jetzt gar nicht wirklich vorstellen, oder!?
Eine andere, etwas wahrscheinlichere Theorie ist, dass in einer Stadt wie Berlin, in der mehr als jeder zweite zugezogen scheint, vielen die Sicherheit, Selbstverständlichkeit und Geborgenheit des ‘alten’ Freundeskreis in der Heimat fehlen. So wird man vor dem Umzug in die Hauptstadt vor deren ‘Anonymität’ gewarnt, man befürchtet in der Masse unterzugehen oder doch zumindest, dass der Anschluss an neue Freunde schwerer fallen könnte. In einer Kneipe, deren Atmosphäre an die des Jugendclubs in der Heimat erinnert, fühlt man sich vielleicht schneller zu Hause, akzeptiert und aufgenommen.
Letztendlich ist diese Entwicklung der Kneipenszene auf jeden Fall zu begrüßen, ist es doch so viel angenehmer, den Abend mit einem fröhlichen Publikum zu verbringen, das sich an spielerischem bis sportlichem Wettkampf freut und aufgesetzte Coolness oder hippes Szenegehabe völlig vermissen lässt. Ähnliches kann man auch bei Trash-Pop-Parties beobachten, wo öffentlich zu Musik getanzt wird, für die sich früher jeder geschämt hätte. In Zeiten von erhöhter Arbeits- und Perspektivlosigkeit, Zukunftsangst und oberflächlichen Social-Network-Freundschaften fühlen sich die Menschen vermutlich dort am wohlsten, wo sie sein können wie sie sind, Fassaden bröckeln lassen und sich in die unbeschwerte Zeit der Jugend zurückversetzt fühlen.
Interesse geweckt?! Tischtennis in Berlin,
drinnen z.B. hier:
- Dr. Pong, Eberswalder Str. 21, Prenzlauer Berg
- Zimt und Zunder, Rigaer Str. 96, Friedrichshain
- Mokum, Danziger Str. 56, Prenzlauer Berg
- nbi, Schönhauser Allee 36, Prenzlauer Berg
und draußen!!!










Kommentiere!