Die Zeiten, an denen am Sonnabend bis 14 Uhr die Wochenendeinkäufe erledigt sein mussten, gehören zum Glück der Vergangenheit an. Inzwischen hat der Kunde die Möglichkeit, an sechs Tagen in der Woche bis 22 Uhr einzukaufen. Nur der Sonntag war lange Zeit tabu. In seltener Eintracht sprachen sich die Gewerkschaft ver.di und die beiden großen Kirchen gegen sonntägliche Öffnungszeiten aus.
Sonntags einkaufen gehen
Berlin erlaubte dem Einzelhandel bereits 2006, an zehn Sonntagen, darunter alle vier Adventssonntage, die Läden zu öffnen. Dagegen klagten die katholische und die evangelische Kirche vor dem Bundesverfassungsgericht. Die Klägerinnen erzielten zumindest einen Teilerfolg. Die Richter schränkten die liberale Berliner Regelung ein und beriefen sich dabei auf einen Grundgesetzartikel, der seinen Ursprung in der Weimarer Verfassung von 1919 hat. Immerhin dürfen die Hauptstädter weiterhin an zehn Sonntagen im Jahr shoppen. Die Öffnungszeiten wurden von den Verfassungsrichtern allerdings auf 13.00 bis 20.00 festgelegt. Auch zwei Adventssonntage sind weggefallen. Übriggeblieben sind der 2. und 4. Advent. Wobei natürlich kein Ladeninhaber verpflichtet ist, an diesen Terminen tatsächlich seine Räume zu öffnen. Umgekehrt gibt es auch keinen Zwang zum Konsumieren. Wer seine Christenpflicht erfüllen will, wird nicht daran gehindert.
Die verkaufsoffenen Sonntage sind stets mit besonderen Events in der Stadt verbunden. Am 29. Januar steht der Tag in Verbindung mit der Grünen Woche. Am 11. März findet zur gleichen Zeit die Internationale Tourismus-Börse statt. Am 29. April ist es die Gallery Weekend, die Besucher nach Berlin lockt. Zur Internationalen Funkausstellung werden am 2. September die Geschäfte geöffnet, während das Festival of Lights (21. Oktober) und das Jazzfest (4. November) ebenfalls 2012 mit je einem verkaufsoffenen Sonntag verknüpft wurden. Würden die Geschäfte an diesen Tagen leer bleiben, hätte der Einzelhandel längst reagiert. Aber offensichtlich gibt es ein Bedürfnis, auch am Sonntag auf Shoppingtour gehen zu können. Das entspricht auch den veränderten Arbeitszeiten insgesamt, die sich längst nicht mehr an einer unumstößlichen 5-Tage-Woche orientieren. Erst recht nicht in einer Metropole wie Berlin. Der Sonntag als zentraler (Zwangs-)Ruhetag erscheint da eher anachronistisch.












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